Maslenica- Butterwoche

In Belarus und Russland feiern man am heutigen Sonntag das Ende der Butterwoche, Maslenica. Das heißt, dass eine Woche lange eine Art  Blini- All you can eat in der orthodoxen Hemisphäre stattfindet.

Der Blog lebt!

Wer dachte, dass es um den Blog im letzten halben Jahr erschreckend still geworden ist, hat freilich recht- aber ich gelobe Besserung. Das pralle Leben hat mich ein- und aus dem beschaulichen Dasein einer freien Autorin herausgeholt. Ein neuer Job, ein Schulkind, das Ehrenamt, da landet der Blog allzu oft auf Punkt 27 der To-Do-Liste. Aber ich habe dringend vor, das nun wieder zu ändern! Danke an alle, die besorgt nachgefragt haben.

Figuren aus Blini. Foto: Sputnik.by

Auch wir haben einen langen, dunklen Winter hinter uns, mit gefühlten zwei Sonnenstunden im Dezember. Den Jahreswechsel haben wir in Belarus verbracht, wie sich das so gehört. Leider war das Wetter dort genau so,wie wir es aus dem Ruhrgebiet kennen: Feuchte fünf Grad Celsius über Null und kein Schnee in Sicht. Mich als alte Essenerin stört das nun nicht so- aber die Belarussen waren völlig aufgelöst! Kein Schnee an Neujahr, das gab es quasi noch nie! Es war, so berichteten die Nachrichtensender, der wärmste Winter seit 43 Jahren.

So wie wir im letzten Jahr das Thermometer beobachtet haben und nicht glauben konnten, dass die Temperaturen immer weiter fielen (es waren zeitweise -20°C), starrten wir nun auf dasselbe und hofften, dass es nun doch bald mal ordentlichen Frost geben würde. Fehlanzeige! Fast verzweifelt schaute der beste Mann gen grauen Himmel und versuchte, ein paar Schneeflocken mit bloßer Willenskraft herbeizuwünschen.

Karneval und andere Wege, den Winter zu vertreiben

Nunja, auch der längste Winter geht zu Ende, und jeder Kulturkreis hat ja so seine eigene Art, der kalten Jahreszeit den Garaus zu machen.

Blini- Berg zu Maslenica

Blini- Berg zu Maslenica

In Deutschland geschieht dies mit der Karnevalszeit. Hier im Ruhrgbiet bekommen wir ja mit den Ausläufern des rheinischen Karnevals in Berührung. Ich selber habe in meiner Jugend oft genug Karneval gefeiert und begnüge mit jetzt damit, den Kindern Kostüme zu kreieren und Mutzenmandeln zu essen. Aliaksei als quasi Zugereister allerdings findet den deutschen Karneval richtig toll und fährt zur Freude der Kinder mit ihnen auf allerlei Karnevalszüge. In diesem Jahr ist er, mehr durch Zufall, mit dem französischen Partner meiner Freundin auf einer riesigen Karnevalsfeier gelandet. Aliaksei war so begeistert, dass er im nächsten Jahr mit mir dorthin gehen möchte. Ihm gefällt alles, was brauchtümlichen Kolorit hat (so zum Beispiel auch das Oktoberfest und der Canstatter Wasen damals in Stuttgart, wie ihr ja bestimmt in „Liebesgrüße aus Minsk“ gelesen habt.).

Maslenica- ein Brauch aus heidnischen Zeiten

Wie das oft so ist mit den eigenen und den fremden Traditionen, finde ich das belarussische bzw. orthodoxe Fest zum Ende des Winters viel spannender. Es stammt noch aus der Zeit vor der Christianisierung der Rus, wird aber mittlerweile traditionell als Woche vor dem Beginn der Fastenzeit vor Ostern begangen. „Maslo“ bedeutet Butter. Orthodoxe Gläubige dürfen in dieser Woche bereits kein Fleisch mehr essen, aber Milch, Eier und Milchprodukte sind noch erlaubt. In dieser Kombination kam man schnell auf Blini, die es nun in dieser Woche sehr oft zu essen gibt.

Vor der langen Fastenzeit kann man sich noch mal so richtig der Völlerei fröhnen. Traditionell wird auch eine Vogelscheuche verbrannt, die den Winter symbolisiert. Ich hatte bereits darüber geschrieben, wie wir Maslenica gefeiert haben, als wir noch in Minsk wohnten. In einigen  Regionen von Belarus schließt sich der Butterwoche direkt das „Rufen des Frühlings“ an, „Гуканне вясны“- Hukannie viasny.  Im russischen Clip oben zur Maslenica- Woche gibt es noch mal einen kleinen Einblick, wie das Ganze so abläuft, russische Popmusikuntermalung inklusive.

Hier habe ich auch noch ein paar Bilder aus Minsk gefunden. So sieht das Volksfest vor dem Sportpalast aus, ganz ähnlich wie das, das wir damals in Minsk im Gorkipark besucht haben.

Bei uns ist es übrigens so aus, dass ich einen riesigen Berg Blini backen muss, bis meine Familie annähernd davon satt wird. Deshalb freue ich mich immer, wenn meine Schwiegermutter zu Besuch ist und das Backen übernimmt, oder wenn sie uns in Minsk mit ihren ohnehin viel leckereren Pfannkuchen verwöhnt.

Ich habe kein besonderes Rezept für Blini, sondern vermische Eier, Mehl (manchmal Buchweizen- Mehl), Milch und Sprudelwasser, bis sich meiner Meinung nach die richtige Konsistenz ergibt. Dann füllen wir die Blinis mit Smetana, Früchten, Marelade, Nutella oder auch Quark oder Hackfleisch. Meine Schwiegermutter bereitet Blinis auch gerne mit saurer Milch oder Molke zu.

Heute wird es bei uns noch mal einen großen Stapel Blini geben, in der Hoffnung, dass der Frühling nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt…

 

 

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