Initiative „Tschernobyl- Kinder“ e.V. feiert Jubiläum

25 Jahre Initiative Tschernobyl- Kinder e.V.

Big Band rockt Kettwig. Foto: Boris Flör

Seit Anfang des Jahres engagiere ich mich ehrenamtlich für einen Tschernobyl- Verein. Er ist in Mülheim an der Ruhr aktiv und feiert in dieser Woche sein 25 jähriges Bestehen.

Zu diesem Verein bin ich mal wieder durch eine jener Geschichten gekommen, die das Leben in Belarus schreibt:

 

Als Leiterin der Medienakademie der IBB Minsk war ich 2008 bei der Eröffnung eines Jugendzentrums in Zhodino anwesend. Das Jugendzentrum wurde durch einen deutschen Tschernobyl-Verein gefördert, der aus Mülheim an der Ruhr stammt- der Nachbarstadt meines Heimatortes Essen. Und wie ich noch so sprach mit den Vereinsmitgliedern, die zur Eröffnung angereist waren, wurde klar: Eine der anwesenden Damen war die Schwägerin einer guten Freundin meiner Oma. Nicht nur Belarus ist ein Dorf, der Ruhrpott ist es auch.

Vereinsmitglieder mit einem großen Herz für Belarus

Anfang des Jahres rief ich den Vorsitzenden dieses Vereines an und stellte mir vor. Außerdem sagte ich, dass ich gerne mitwirken würde in der Vereinsarbeit. „Tjoa“, sagte der liebe Norbert. „Sehr gerne. Das trifft sich gut, denn wir haben in diesem Jahr unser 25 jähriges Jubiläum. Da gibt es eine Menge zu tun!“

25 Jahre Tschernobyl Verein Mülheim

Lager des Tschernobylladens Foto: Boris Flör

Das war nicht übertrieben, wie sich in den kommenden Monaten herausstellte. Ich traf  die Vorstandsmitglieder und war ganz und gar angetan von dem, was sich mir offenbarte:

Zwei Hände voll liebenswerter und hochqualifizierter Menschen, die ein großes Herz für Belarus haben. Genau das, was man sich für einen solchen Verein erhofft.

Die Geschichte geht zurück auf die ersten Kontakte nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, und Vieles wurde seitdem bewegt. Der Verein unterstützt Schulen, Behinderten- und Jugendeinrichtungen in Zhodino und unterhält darüber hinaus rege Kontakt in das Dorf Dobryn ganz in der Nähe der nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl gesperrten Zone.

Um die Projekte zu finanzieren, unterhält der Verein einen Trödelladen in der Mülheimer Innenstadt.

Feierlichkeiten zum 25 jährigen Bestehen der Initiative

Liebesgrüße aus Minsk

Lesung im Tschernobyl- Trödelladen mit Irina Gruschewaja Foto: Boris Flör

Es handelt sich also um eine Erfolgsgeschichte, die nun schon ein Vierteljahrhundert andauert. Aus den „Tschernobylkindern“ von damals sind selbst Eltern geworden, und die Vereinsmitglieder sind nicht nur Gasteltern- sondern mittlerweile auch Großeltern.

Dieses Jubiläum muss gefeiert werden, das steht außer Frage. Und weil der Verein wie gesagt sehr professionell zu Werke geht, auch mit viel Aufwand und allem Zipp und Zapp.

Es formierte sich also ein Redaktionsteam, das eine Festschrift mit Beiträgen der Partner, Fotos, Geschichten und Statistiken erstellte. Diese Festschrift kann sich sehen lassen und bei Interesse bei mir oder über die Vereinsseite angefordert werden. Sie ist selbstverständlich zweisprachig und enthält auch die Geschichte von Pavel, der durch die Tschernobyl-Initiative eine wunderbare Wendung in seinem Leben erfahren hat. Als ich seinen Beitrag beim Festakt vorgelesen habe, musste ich selbst fast vor Rührung weinen.

25 Jahre Tschernobyl VereinMülheim

Den Festakt auf Schloss Broich durfte ich moderieren Foto: Boris Flör

Weil zum Festakt eines Tschernobyl-Vereins natürlich auch Belarussen gehören, luden wir die Partner aus Zhodino ein, und zwar in Form der Big Band der Schule Nr. 5. Die Kinder und Jugendlichen leisten Erstaunliches. Sie haben bei ihren Konzerten in Essen und Mülheim das Publikum in Begeisterung versetzt. An ihrer Schule spielen ein Drittel der Kinder ein Instrument vorführreif, und wer Belarussen kennt, weiß, dass sie keine halben Sachen machen. Die Band ist Spitzenklasse. Hier könnt ihr euch selbst ein Bild davon machen:

Eine besondere Lesung zusammen mit Irina Gruschewaja

Liebesgrüße aus Minsk

v.l.n.r.; Nadine Lashuk, Irina Gruschewaja, Norbert Flör Foto: Boris Flör

Zum Auftakt der Festlichkeiten habe ich in der letzten Woche eine besondere Lesung im Trödelladen der Initiative veranstaltet: Neben „Liebesgrüße aus Minsk“ hat Irina Gruschewaja ihr Buch Der Tschernobyl- Weg“ vorgestellt. Sie berichtet darin, wie sie vor fast 30 Jahren gemeinsam mit ihrem Mann Gennadij Gruschewoj nach der Reaktorkatastrophe die Stiftung „Den Kindern von Tschernobyl“ aufgebaut hat. Sie erzählt gemeinsam mit Alexandr Tamkowitsch, einem belarussischen Journalisten, von den Schwierigkeiten in der Umbruchzeit der frühen 90er Jahre, von der Verzweiflung der Menschen, aber auch, wie die Stiftung es geschafft hat, über 200 000 Kinder zu Erholungsaufenthalten ins Ausland zu schicken. Davon, wie aus Gastkindern Familienmitglieder wurden und wie aus der Katastrophe ein ganz neues, positives Kapitel der deutsch- belarussischen Beziehungen entstehen konnte.

Irina Gruschewaja- der Tschernobyl- Weg

Irina Gruschewaja rührt die Menschen im Trödeladen mit ihren Worten. Foto: Boris Flör

Irina, die eine der beeindruckendsten Frauen ist, die ich seit Langem getroffen habe. Sie hat aus dem Stehgreif eine Rede gehalten, der ich und alle anderen Zuhörer noch Stunden hätten lauschen können. Wir hoffen sehr, dass wir Irina im Herbst noch einmal einladen können, um ihr mehr Redezeit zu verschaffen.

Ich lese übrigens selbst gerade ihr Buch und bin gefesselt davon. Es ist auf Deutsch und Russisch/Belarussisch erschienen und ich lege es jedem ans Herz, der sich mit Belarus und Tschernobyl befasst.

Nun ist der Alltag wieder eingekehrt, die Jugendlichen sind wieder in Zhodino, ich bin zum Change Manager geworden und in Slabada am Ende der Welt entsteht gerade eine Mini-Kläranlage. Aber davon erzähle ich euch in der nächsten Geschichte.

 

 

 

 

Ein Gedanke zu „Initiative „Tschernobyl- Kinder“ e.V. feiert Jubiläum

  1. Das ist eine gute Sache.Ich organisiere seit vielen Jahren bei uns Kinderreisen aus der Tschernobylregion und habe viele Reisen dorthin unternommen. Darf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in unser Dörfchen fahren.Das macht michsehr traurig.Die Gastfreundschaft ist dort so wunderbar.
    Eine deutsche Babuschka.

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