Das Babuschka- Experiment* Teil 2

In belarussischen Familie spielt die Babuschka eine elementare Rolle. Oft läuft ohne sie gar nichts. Auch  wir haben unsere belarussische Oma eingeflogen, damit sie die Kinder hütet, während ich eine Weiterbildung zum Social Media Manager mache.

So ist das in Deutschland: Die Kinder sind betreut, bis mittags. Danach obliegen sie bei uns aktuell meiner Bespaßungshoheit. Da ich mich aber nun weiterbilden möchte- denn Deutschland ist auch Zertifikatsland, und egal, wie viele Social Medie Kanäle ich wie professionell nutze- ohne Bescheinigung kann ich gar nichts- war gut Rat teuer.  Oder ein guter Babysitter.

Babuschka stopft Betreuungslücke

Blinys von der Babuschka

Blinys von der Babuschka

Mit einiger Überredungskunst haben wir es geschafft, die besten Babysitter für unsere Kinder zu organisieren: Die beiden Omas. Beide mussten dafür Urlaub nehmen, und in Tamaras Fall müssen nun Deutschstudenten ein paar Wochen auf ihren Deutschkurs verzichten, damit sie bei uns die Lücken des deutschen Betreuungssystems füllen kann. Das hatte ja im Herbst schon einmal sehr gut funktioniert.

Das tut Oma Tamara natürlich gerne, denn so steht es ja auch in der Stellenbeschreibung für eine Babuschka. Leider musste sie alleine anreisen, weil Opa Sascha erklärt hat, „dass er es nicht aushält, die ganze Zeit untätig in Deutschland herum zu sitzen“, wo er so viel Arbeit zu Hause hat. Recht hat er! Jetzt, wo es Frühling wird, gibt es eine Menge zu tun! Im Dorf am Ende der Welt beginnt die Aussaat, nach dem letzte Schnee nun endlich geschmolzen ist. Außerdem hat er nun das Projekt „Ein Badezimmer für das Dorf“ in aller Ernsthaftigkeit in Angriff genommen. Es kam ein Meister aus der nahe gelegenen Stadt Wilejka, und gemeinsam wurde immerhin im früheren Kühlzimmer des Dorfhauses schon einmal der Boden verlegt. Mit Freude fachsimple ich mit den Schwiegereltern über die Frage, ob es besser wäre, eine Badewanne oder eine Dusche einzubauen. Ich kann es noch immer nicht glauben, dass es in diesem Sommer eine Alternative zum Plumpsklo geben wird. Hurra!

Immer beschäftigt: Unser Opa

Immer beschäftigt: Unser Opa

Man sieht es also ein: Sascha ist im Moment nicht abkömmlich. Also kämpft Tamara allein an vorderster Front. Beziehungsweise spielt mit „Mascha und dem Bär“ und einer ganzen Herde von Schleichpferden. Sie kocht badewannenweise Kohlsuppe, die außer ihr und Aliaksei niemand essen will. Sie verarbeitet jeden getrockneten Apfelschnitz, den sie irgendwie finden kann, zu „Kompott“ und sie verwöhnt uns mit Syrniki und Bliny.

Die Babuschka singt nun „Aram sam sam“

Das Babuschka- Experiment

Babuschka im Gorkipark

So eine Babuschka ist schon etwas Wunderbares. Da verzeiht man es, dass die Kinder bei mehr als 20 °C in Winterjacken heißlaufen („Aber es ist doch erst März!“) und dass sie „staubwischt. An manchen Stellen hat hier offenbar noch niemals jemand sauber gemacht!“. Und dass sie die Post schon mal vorbearbeitet.

Die Kinder sind ebenfalls glücklich, und das kleine Kind spricht auf einmal viel besser Belarussisch. Die Babuschka hat den Kindern schon vor dem Kindergarten Märchen vorgelesen und natürlich tut es gut, die zweite Sprache nicht nur vom Papa zu hören. Aber auch Baba Toma hat nach diesem Aufenthalt nun endlich Klassiker wie „Aram sam sam“ und „Die Türen vom Bus gehen auf und zu“ gelernt. Das kommt sicher auch ihren Deutschstudenten zu Gute- also eine Win-win -Situation für alle!

Während ich lerne, wie man nette Videofilmchen dreht und ein Einhorn als Marke eintragen lässt, läuft dank der Omas zu Hause also alles wie geschmiert. Wir arbeiten  nun daran, dass Baba Toma ihrer Stellenbeschreibung als Babuschka vollumfänglich nachkommt und uns in Zukunft regelmäßig für längere Zeit besuchen kommt. Wer hätte das gedacht!

Wie haltet ihr es mit euren Babuschki? Wohnen sie bei euch? Wie helfen sie euch?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

*Ich danke an dieser Stelle meiner Muse und Inspiration SARAH BROCK für diesen wunderbaren Titel!

Ein Gedanke zu „Das Babuschka- Experiment* Teil 2

  1. Die Babuschka kommt ebenfalls regelmäßig zu Besuch und versorgt alle mit Blini und Serniki. Ohne Babuschka ginge es gar nicht. Und nur bei Babuschka ist der vnuk auch ruhig und schläft sofort ein.
    Also ein LOB auf die Babuschka als solche !

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