Schockzustand: Festnahmen in Belarus am Wochenende

Das Wochenende hat alle, die sich mit Belarus befassen, ein einem Schockzustand zurück gelassen: Bei den Märschen zum Unabhängigkeitstag gab es hunderte brutale Festnahmen. Auch alte Leute und ausländische Journalisten wurden festgenommen. Die Bilder aus Minsk sind schockierend.

Protest Minsk

OMON blockiert den Prospekt in Minsk

Der 25. März wird traditionell als Unabhängigkeitstag von Regimegegnern begangen. Die Gründung der Volksrepublik Belarus 1918 jährt sich in diesem Jahr zum 99. Mal. Wie jedes Jahr fand ein Protestmarsch statt, der in diesem Jahr besonders viele Teilnehmer haben sollte. Die Aktion am Samstag verstand sich in diesem Jahr auch als Fortsetzung der „Märsche der Unzufriedenen“, die als Protest gegen die „Schmarotzer-Steuer“ begannen und das Land seit einigen Wochen in Atem halten.

Proteste in Minsk

Alter Mann wird in Minsk verhaftet. Foto: Svaboda.org

Offenbar hatte man deshalb in der Staatsführung beschlossen, kein Risiko einzugehen und hart gegen die Teilnehmer an der Aktion vorzugehen. Bereits im Vorlauf  wurden Journalisten und Oppositionelle verhaftet, ihre Wohnungen und Redaktionen durchsucht. Man wollte  verhindern, dass Meinungsmacher an der Demonstration teilnehmen. So wurde zum Beispiel Ales‘ Lahviniec, Intellektueller und Mitarbeiter von Aliaksandr Milinkevich (ehemaliger Präsidentschaftskandidat)  verhaftet und zusammen geschlagen. Zurzeit liegt er mit einer Gehirnerschüttung im Krankenhaus. Mikolaj Statkevich, ein weiterer Oppositionspolitiker, galt zwischenzeitlich als verschwunden. Er wurde nach 48 Stunden aus KGB- Haft entlassen.

Hier gibt es eine Fotoreportage von den brutalen Ereignissen am Samstag.

Auch alte Menschen wurden verhaftet, wie der Mann auf diesem Foto. Hier ist seine Geschichte, leider nur auf Russisch. Er nimmt seit Jahren an Demonstrationen teil, wurde schon einige Male verhaftet und hat es gerade so geschafft, aus dem Einsatzfahrzeug zu entzwischen, das ihn ins Gefängnis bringen sollte.

Interessant ist auch, was die belarussischen Medien berichteten: Während die staatliche Zeitung „Belarus Segodnya / Belarus heute (SB)“ vermeldete, dass am Samstag in Minsk alles ruhig blieb, berichtete das Newsportal tut.by mit einer Live- Reportage vor Ort. SB schrieb, dass sich im Stadtzentrum nicht mehr Menschen als sonst versammelt hätten und keine besonderen Vorkommnisse zu berichten sein.

Berichterstattung staatliche/ nicht-staatliche Medien

Berichterstattung staatliche/ nicht-staatliche Medien über: tut.by

Auch am  Tag danach, am Sonntag, protestierten einige Dutzend Minsker. Dieses Mal richtete sich ihre Wut gegen die Festnahmen, auch hier kam es zu einigen Dutzend Verhaftugnen. Diese Frau ist empört über die Brutalität des Regimes:

Die belarussische Gemeinschaft steht völlig unter Schock. Insgesamt 300-400 Menschen wurden festgenommen, auch geschlagen. Eine solche Gewalt gab es seit 2010 nicht mehr. Man hatte leise gehofft und angenommen, dass mit der Lockerung des Visaregimes auch eine Liberalisierung des Landes einhergehen würde. Die Vorkommnisse des letzten Wochenendes werfen das Land und seinen Weg in Richtung einer Öffnung meilenweit zurück.

 

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