Belarus hat gebibbert- Tief Axel brachte Rekordkälte

In den Tagen um das orthodoxe Weihnachtsfest wurde es in Belarus richtig kalt: Die Temperaturen fielen auf bis zu -25°C in Minsk. Das Tief „Axel“ brachte klirrende Kälte und Rekordminustemperaturen. Das hat sogar die Belarussen ein wenig aus dem Konzept gebracht, die an solche Temperaturen im Winter ja eigentlich gewöhnt sein sollten.

Winter in Belarus

Vorstadtspaß bei minus 20°C

Gemäß den gängigen Vorurteilen herrscht in Belarus ja eigentlich ewiger Winter und ganzjährig sibirische Temperaturen. Dem ist nicht so!

Um ein für alle Mal mit diesem Märchen aufzuräumen: Im Sommer ist es in Belarus warm, bis zu 35°C werden gemessen. Ok, der Sommer ist recht kurz, aber das ist in Deutschland ja nicht anders.  Der erste Schnee fällt in Belarus meist im November, dann schmilzt er aber noch einmal. Meist fällt um Neujahr der „richtige“ Schnee, der dann liegen bleibt, und der allerletzte schmilzt dann meist im April. Hier gibt es tolle Winterfotos aus dem belarussischen Winter!

Früher, so erinnert sich meine Schwiegermutter, „fiel der Schnee im November und blieb liegen. Das erste Mal taute es dann am Weltfrauentag, dem 8. März“.

Winter in Belarus

Das Thermometer am Limit.

Im Winter ist es in Belarus schon knackig kalt, und die Temperaturen liegen meist unter dem Gefrierpunkt. Temperaturen von mehr als 20 Grad minus sind aber nicht sehr häufig, so dass „Axel“ das Land doch in eine Art Ausnahmezustand versetzte.  Um Weihnachten herum beobachteten wir, wie die Temperaturen innerhalb von 24 Stunden von 9 auf -19°C fielen und das Thermometer sodann den Geist aufgab- es war aus Deutschland importiert.

Belarussen und Belarus- Erfahrene haben aber ein eingebautes Thermometer: Sie wissen, dass es -15°C oder mehr sind, wenn der Schnodder in der Nase gefriert. Ansonsten ist die Kälte für Menschen aber erträglicher als hier in Deutschland: Die Winterkleidung ist der Witterung angepasst, alle tragen eine Mütze (mit Ausnahme einiger weniger wahnsinniger Teenagern, die bei minus 20°C um ihre Frisuren fürchten) und auch das Schuhwerk ist Frost tauglich. Weitere Eindrücke über den belarussischen Winter vermittelt die Dokumentation des mdr aus dem letzten Jahr.

Ab minus 20°C raten aber die Behörden den Menschen, die Wohnung nicht zu verlassen bzw. nur für die nötigsten Erledigungen auf die Straße zu gehen. In den anderen Gebietsstädten, zum Beispiel in Witebsk, wurden Temperaturen von bis zu -35 Grad gemessen. Das war so richtig kalt.

Solidarität. Foto: Tatsiana Aliakseeva

Solidarität. Foto: Tatsiana Aliakseeva

Auch Moskau bibberte übrigens zu dieser Zeit bei minus 30°C, worauf hin die Moscow Times einen Artikel veröffentlichte, in dem es darum ging, dass die Hauptstädter sich nicht so anstellen mögen, da in anderen Teilen des Landes bei Temperaturen bis zu minus 50°C auf Baustellen gearbeitet wird. Das berichtete mein Schwiegervater auch aus seiner Zeit im Altaj- Gebirge.

Während wir unsere Kinder warm einpackten und zumindest für 15 Minuten an die glasklare Luft brachten, wurde es auf den Minsker Straßen immer stiller:

Bei den herrschenden Temperaturen streikten dann auch die belarussischen Autos. Der schwiegerväterliche Passat Universal Diesel fuhr nicht mehr, bis er mit einem Kraftstoff namens „Arktika“ betankt wurde, der ab und an als Kerosin gehandelt wird. Auch die tapferen Benziner wollten einfach nicht mehr anspringen. Allenthalben sah man Überbrückungskabel, und Nachbarschaftshilfe wurde auf einmal ganz groß geschrieben.

Nach einer knappen Woche in der eisigen Hand von Väterchen Frost wurde es dann regelrecht „warm“, und wir atmeten auf, als wir eines Tages bei minus neun Grad spazierten gehen konnten. Das fühlte sich an wie Frühling!

Dass die Belarussen übrigens doch ein hartgesottenes Völkchen sind, stellen sie heute unter Beweis: Am orthodoxen Epiphanie- Tag (Taufe Jesu) nehmen sie selbst ein Bad im Eiswasser. Ich bibbere schon bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und an Land hier im feuchtkalten Essener Winter.

 

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