Schlittenfahrt, Schlittenfahrt, Schlittenfahrt im Schnee….

Ich wünsche allen ein frohes und gesundes neues Jahr!

Wir sind seit nunmehr 10 Tagen in Minsk und haben schon so einiges erlebt und einige Tonnen Essen vertilgt.

З Новым Годам!

З Новым Годам!

Unser Aufenthalt begann abenteuerlich, denn es war keinesfalls klar, ob wir mit Belarus vor dem neuem Jahr erreichen würden. Aber am Ende klappte alles gut:  unser Flugzeug landete pünktlich, der litauische Fahrer stand bereit, wir fuhren los, bis Alioscha kurz vor der Grenze bemerkte, dass wir den Kinderwagen am Flughafen vergessen hatten.

„Blia und Blach“, oderandere unflätige Dinge zischte der Fahrer, wendete aber und wie in einem Weihnachtsmärchen stand der Kinderwagen einsam und verlassen auf dem verschneiten Flughafenparkplatz.

Es war übrigens eisig kalt, minus 12, als wir aus dem Flugzeug stiegen. Dass Kasimir nicht mit dem Aufschrei „Schneeee!“ auf den Lippen das litauische Rollfeld geküsst hat, war alles. Allerdings hat er dann das Flughafengebäude mit einem Kuss begrüßt, weil er nicht bedacht hatte, dass Marmor rutschig ist, wenn man Schnee an den Schuhen hat.

Ded Maroz Foto: T.W.Lashuk

Ded Maroz
Foto: T.W.Lashuk

Beide Grenzen waren um 20.30 Uhr am Silvesterabend leer, so dass wir in nur einer Stunde alle Formalitäten erledigt hatten und im schwiegerväterlichen Passat Universal saßen.

Wir haben übrigens herausgefunden, dass man mit einem kleinen Kind unter drei Jahren im Wagen an der belarussischen Seite der Grenze nicht in der oft kilometerlangen Schlange warten muss, sondern „ohne Schlange“ abgefertigt wird. Sind andere bevorzugt zu Behandelnde vor einem (andere Familie, Veteranen, Diplomaten…) muss man sich natürlich hinter diesen anstellen. Auf der litauischen Grenze gilt das nicht.

Tamara hatte uns vorsorglicher Weise so viele Decken, Mäntel, Winterschuhe und Proviant eingepackt, dass für uns im Auto fast kein Platz blieb.

Über verschneite Landstraßen, durch beleuchtete Dörfer in Feststimmung, durch eine Kleinstadt, in der gerade der Gottesdienst zu Ende war, fuhren wir in Richtung Ende der Welt. Irgendwann wichen die asphaltierten Straßen Schotterwegen, die tief verschneit waren. Rechts und link standen weiße Tannen. Ein dichter Wald, der natürlich nicht beleuchtet war. Jeden Moment rechnete ich damit, im Schneetreiben ein Zubr oder – realistischer- zumindest ein Wildschwein auszumachen. Aber auch das belarussische Wild hatte sich sicher um irgendeinen blinkenden Tannenbaum versammelt und wartete auf das neue Jahr.

Hering unterm Pelzmantel

Hering unterm Pelzmantel

Wir kamen um 22.30 Uhr in Slabada an, wo uns bereits Tamara mit einem Reich gedeckten Tisch- Ente, Olivié, Hering unterm Pelzmantel erwartet. Kurz vor 12 hielt der Präsident seine gefühlt 287. Neujahrsansprache, die wir ohne Ton anschauten. Im Hintergrund lief das Lied von den weißen Schneeflocken „belye snzehynki“, das Sascha der Großvater als sein Lieblingslied aus Kindertagen wiederentdeckt hatte.

Nach den obligatorischen Selbstauslöser-Gruppenfotos gingen wir, erschöpft von der Reise, ins Bett. Am nächsten Morgen waren es draußen um die minus 20 Grad und strahlender Sonnenschein. Der Gang zur Toilette im Dorf stellte die erste Herausforderung des Tages dar. Die zweite bestand darin, die Kinder möglichst Winterfest auf einen Temperaturunterschied von 30 Grad in 24 Stunden vorzubereiten.

Schlittenfahrt

Schlittenfahrt

Wir zogen ihnen alles an, was wir so finden konnten, denn um 11 Uhr und keine Sekunde später sollte uns Orlik das furzende Pferd zu einer Schlittenfahrt abholen. Man denke nicht, dass so ein Dorfpferd am höchsten Feiertag frei hätte!

Die beiden Kinder, die sich in ihren Lammfelljacken nicht bewegen konnten, wurden aufs Pferd gewuchtet und los ging die Fahrt! Ohne Umfall, einmal fast bis zur Pferdefirma, wie Kasimir das russische Wort Ferma für Bauernhof übersetzt, und zurück.

Am Nachmittag kam Ded Maroz mit Snegurotschka zu uns und verteilte Geschenke für alle. Kasimir musste sich auf einen Stuhl stellen und ein Gedicht aufsagen. Anschließend tanzten wir einen Karagod- Ringelreihen- und dann ging es schon wieder an den gedeckten Tisch, wo wir traditionsgemäß die Reste vom Silvesterabend aufaßen.

Slabada im Eis

Slabada im Eis

Tagsüber kletterten die Temperaturen bis auf minus 16, die nächste Nacht zeigte wieder minus 20 Grad an. Im Haus war es schön warm, der Ofen wurde geheizt, die Banja ebenfalls, so dass wir uns theoretisch im Schnee hätten wälzen können. Ich verzichte dankend, halte aber meinen kleinen Zeh in die eisige Luft.

Am nächsten Tag packen alle Habseligkeiten in den Passat Universal- sogar Sascha rauft sich die Haare und sagt: “Kinder, hier sieht es aus wie in einem Zigeunerlager!“- und fahren nach Minsk.

6 Gedanken zu „Schlittenfahrt, Schlittenfahrt, Schlittenfahrt im Schnee….

  1. Hallo und einen ganz lieben Gruß aus unserem Urlaub auf der Alm. Ein sehr schöner Bericht mit tollen Bildern 🙂 Da es letztes Jahr bei uns nicht mit dem Schnee geklappt hat, haben wir uns endschlossen in die Berge zu fahren und wir wurden nicht endtäuscht. Eine sehr schöne Schneelandschaft haben wir hier aber nicht zu vergleichen mit Ihrer 🙂 Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Aufenthalt.

  2. Das klingt ja großartig! Ich will auch im Schlitten fahren! :'(

    Ich blogge inzwischen fleißig über meinen Belarus-Aufenthalt. Vielleicht werde ich dein Sauerkrautrezept auch so verwerten. Hast du an dem Rezept noch Interesse?

    1. Hallo Michelle,
      ich sehe, du hast es ins Museum geschafft! Wir nehmen uns das auch vor, aber im Sommer hieß es: Zu schönes Wetter…. och nöö…. und jetzt war es dann: Och neee nicht jetzt wo man Schlitten fahren kann… Vielleicht im Sommer?

      Ich bin gespannt, wann wir es schaffen, uns Zeit dafür zu nehmen.
      Wenn du ein Rezept hast, gerne her damit!

      Viele Grüße nach Minsk
      Nadine

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