Konzert von Ljavon Volski in Köln

Gestern hatte Köln Besuch von Belarus.

Der wohl bekannteste belarussische Musiker, Ljavon Vol’ski, hat ein Konzert im Lev Kopelev- Forum in Köln gegeben. Der Mann ist in Belarus eine Ikone, und ich finde, er ist typisch für das Land. Seit den 80er Jahren macht er Musik, er ist gleichzeitig der Lead-Sänger der beiden bekanntesten belarussischen Bands und auch als Solokünstler erfolgreich.

Krambambulya-Konzert in Vilnius

Krambambulya-Konzert in Vilnius

Nur in Belarus kann es das wohl geben: Ein Mann, der gleichzeitig mit einer Rockband (N.R.M, die „Unabhängige Republik der Träume“) und mit einer Ska-Band (Krambambulya) erfolgreich ist. Darüber hinaus hat er verschiedene Solo-Projekte, zusammen mit Radio Liberty und ein Soloalbum, in dem er belarussische Poesie in Rocksongs umgearbeitet hat. Damit schafft er es, belarusissche Sprache und Elemente belarussischer Folklore in die weißrussischen Haushalte zu bringen. Volski ist wie ein Stehaufmännchen der belarussischen Kultur: Er mischt überall mit und lässt sich niemals unterkriegen.

Krambambulya, seiner Ska-Band, ist  es verboten, in Belarus aufzutreten. Konzerte der Band finden deshalb oft in Vilnius statt, und tausende junge Belarussen pilgern zu diesen Konzerten. Früher hat Volski die große Konzerthallte in Minsk gefüllt. Dass er das nicht mehr darf, ist aus der Sicht des Regimes nachzuvollziehen: Der Mann könnte dem Regime brandgefährlich werden. Ich halte ihn für unglaublich intelligent- das wird klar, wenn man seine Texte hört. Zudem hat er eine Gabe, seine Kritik in Texte zu fassen, die absolut bewundernswert ist. Seine Texte sind aber keinesfalls nur politisch oder oppositionell, sondern vor allem patriotisch. Aus seinen Lieder spricht eine Liebe zu seinem Land, die die Gefühle vieler Belarussen beschreibt. Belarussen sind an sich sentimentale Menschen, besonders, was ihr Land angeht. Die Liebe zur Natur, die Ausweglosigkeit der politischen Situation und die Absurditäten des alltäglichen Lebens werden genau so thematisiert wie die schönen Seiten des Lebens: Gastfreundschaft und die Fähigkeit der Belarussen, auch die schwierigste Situation mit einem Augenzwinkern hinzunehmen.

Bei dem Konzert gestern waren nur 25 Zuschauer anwesend- das war für die teilweise aus Belgien angereisten Fans ungefähr so, als würde man naja, wenn nicht Joe Cocker, so doch Herbert Grönemeyer in einem kleinen, intimen Kreis treffen.Volski hatte die Musik auf einen kleinen Kreis angepasst: Statt E-Gitarren hatte er einen weiter Künstler, Pavel Arakeljan,  der zwar weniger bekannt, aber um nichts weniger beeindruckend war. Er hatte ein Saxophon und eine Querflöte dabei und hat Volski begleitet. Arakeljan hat eine Statur wie ein Bär und hat der Querflöte, die ich bisher nur als Instrument für den Spielmannszug oder kleine Mädchen kannte, beeindruckende Töne entlockt. Ich finde, ein bisschen Querflöte steht den belarussischen Ska- Hits sehr gut. Ich finde es übrigens unglaublich, wie seine Stimme sich mal ganhz rau und rockig anhört und dann wieder zu den fröhlichen Ska-Hits passt.

Begonnen hat das Konzert mit Liedern, die der versammelten Diaspora Tränen des Heimwehs in die Augen getrieben haben. Lieder über das Land und das versprechen, es nciht zu verlassen. Zum Glück wurden dann auch satirische Lieder gespielt, in denen die Lage des Landes aufgegriffen wird, und richtige Hits der Bands NRM und Krambamuly. UND mein absolutes Lieblingslied.

Passat Universal.

Passat Universal.

Es handelt vom Lieblingsauto der Belarussen: Der Volkswagen Passat Kombi, der deutsche Qualität verkörpert und so wunderbar geräumig ist, das dort einfach alles hereinpasst: Salo, der Speck, den man zum Wodka ist, und Samogon, der selbstgebrannte Schnaps. Bei dem Lied muss ich jedes Mal lachen, weil es mich einfach so sehr an alle Belarussen, die ich kenne, erinnert, und zuallererst an meinen Schwiegervater. Der fährt so einen Passat Kombi, in dem es seit einem Ausflug nach Deutschland immer nach diesem Speck riecht. Und jedes Wochenende ist das Auto zum Bersten vollgepackt, wenn es auf’s Dorf geht. Natürlich hat der Kombi auch schon diverse Umzüge mitgemacht. Und wie es im Lied beschrieben wird: Was nicht in den Kofferraum passt, packt man auf die Sitze. Oder aufs Dach. Herrlich, das Lied.

Für mich verkörpert die Stimmes von Ljavon Volski Belarus. Seine Lieder gehören so zu allem, was wir dort getan haben, dass ich, wenn ich ihn singen höre, den Siegesplatz oder auch die Felder und Dörfer,  vor mir sehe und die Metro quasi rieche. Ljavon Volksi ist mein Soundtrack zu Minsk.

Noch etwas war typisch für Belarus: Beide Künstler trugen Kostüme (ja, das waren Kostüme und keine Jogginghose, das dachte ich auch zuerst), die meine belarussische Lieblingsdesignerin, Mascha Dubinina, für ihre Auftritte mit der Band Krambambulya geschneidert hat. So ist das in Belarus: Irgendwie hat man dort immer das Gefühl, unter sich zu sein, und jeder kennt jeden. Volski wohnte in Minsk neben unseren Bekannten, eine Straße weiter von uns, und natürlich hat mein Mann beim Konzert gestern jemanden getroffen, dessen Bruder er aus Minsk kannte. So ist das dort.

4 Gedanken zu „Konzert von Ljavon Volski in Köln

  1. Hallo Nadine !

    Ich habe gestern Abend Deine Blog gefunden und fast alles gelesen. Du hast mir eine neue Idee von Belarus gegeben als Lukaschtchenko usw. Das ist schön eine andere Ansicht (sogar begrenzt) dieses Landes zu bekommen. Vielen Dank ! Vielleicht fahre ich eines Tages auch selbst nach Belarus. 🙂 Aber ich kann „nur“ Polnisch.

    Viele Grüße,

    Elsa

    PS: Ich habe mich erlaubt, Dich zu dutzen, als ich bemerkt habe, ihr Deutsche dutzet einfacher als wir Franzosen. 🙂

  2. Hallo Nadine,

    sehr schade , das hätte ich auch gerne besucht.
    Hat die Gruppe noch weiter Auftritte in Deutschland.
    Ich finde Leiter nichts im Internet ? Nur die schon vorbei sind 🙁 !

  3. Hallo Nadine,

    ach, bei dem Konzert wäre ich auch gerne gewesen. Leider ist Köln derzeit für mich ab vom Schuss.

    Querflöte: Du kennst wohl Ian Anderson von Jethro Tull nicht. Die „Querflöte“ schlechthin und Idol aller Progressive Rockfans seit den späten 60ern.

    Passat Kombi: ebenfalls mein Lieblingswagen, habe auch schon einige gehabt, dienstlich und privat. Leider sind mir schon zwei gestohlen worden, einer 1997 in Kaunas (wiedergefunden im Moskauer Süden 2001), und ein anderer 2004 in Tschechien. Dazu unzählige Aufbrüche in vielen Ländern, außer in Polen und …. Belarus.

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