Belarus für Bayern-Fans

Heute spielt Bate Borissov gegen Bayern München, in Minsk.

Vorstadt-Fußball

Vorstadt-Fußball

Ob ich wollte oder nicht, ich habe schon mitbekommen, dass Robben nicht spielt, und dass die bayrische Fußball-Nation vor allem eines fürchtet: Eine Blamage bei den Hinterwäldlern aus Weißrussland. „Bate Wer?“ und ähnliche Titel fand man in den Sportteilen der Zeitungen nach Auslosung der Champions League- Gruppen. Ein Verein aus Sibirien, östlich von Moskau, wo haben sie Borissov nicht überall vermutet, die ahnungslosen Sportjournalisten. RTL schreibt übrigens, es handele sich um einen Klub aus der Minsker Vorstadt.

Da können wir ja schon dankbar sein, dass RTL seine Zuschauer so wunderbar mit Hintergrung´dwissen zum heutigen Gegner versorgt. Heute hat der Sender auf seiner Webseite einen Artikel mit dem Titel:

Die Lukaschenko-Show: Prunk und Spiele in Weißrussland

veröffnetlicht. War irgendwie klar, dass sie Weißrussland als eine Art „Deutschland sucht den Super-Diktator“ verkaufen müssen.

Was passiert, wenn Fußballkommentatoren den Zuschauern von Privatsendern politische Hintergründe erklären, sieht man dort ganz herrlich. An der Fotostrecke sieht man, dass der Autor es ganz genau vom Flughafen bis wahrscheinlich zum Hotel Minsk geschafft hat, mit einem Abstecher zur Nationalbibliothek. Immerhin hat er es geschafft, Renterin Alina * (Name von der Redaktion geändert- haha!) in einem Auto zu interviewen.

Hier meine liebsten Zitate aus dem Artikel:

„Es gibt auch viele Kinos, in denen nicht nur Propaganda-Filme laufen. Jennifer Lopez hat auf ihrer Welttournee Station in Minsk gemacht, demnächst kommen die Scorpions. Wind of change? Kaum.“ Was stellen die sich für Propaganda-Filme vor? Eine belarussische Leni Riefenstahl? Naja, J Lo kennt der RTL-Gucker wenigstens.

„Lukaschenko tritt nach dem Motto „Der Staat bin ich“ auf. Auch der Erfinder dieses Spruches, der berühmte Sonnenkönig Louis XIV., lebte prächtig auf Kosten des Volkes und setzte sich das ein oder andere Denkmal.“Das ist eine ganz schön gewagte historische Anspielung, nicht nur für Lukaschenka, sondern auch für das historische Grundwissen der Leser….

Borisov-Bayern

Borisov-Bayern

Herrlich, diese Vergleiche: „Und wenn es mal nicht so rund läuft, kann sich Lukaschenko auf seine ‚Men in Black‘ verlassen: Sein Polizeiapparat und seinen Geheimdienst.“

„Und während Oppositionelle gnadenlos abgeurteilt werden und im Gefängnis verschwinden oder sich ins Ausland absetzen, wachsen im Zentrum der Stadt die neuen schönen Appartements für die Besserverdienenden, die im Regime des letzten europäischen Diktators gute Geschäfte machen. Damit es den Neureichen nicht langweilig wird, gibt es genügend Casinos und Stripbars, in denen sie ihre Rubel verjubeln können. Damit auch die Armen etwas von dem vielen Geld im Land haben, werden die herrschaftlichen Häuser auf dem prächtigen Nezavisimosti Prospekt abends schön beleuchtet.“ Das ist dann übrigens auch der Schlusssatz des Hintergrundberichts. Soziale Ungerechtigkeit geht immer. Und irgendwie ist es in Weißrussland ja auch ein bisschen wie bei „Mitten im Leben“ oder im „Sozialen Brennpunkt“.

Nur leider kann man die Lukashenko-Show nicht einfach wegzappen und auf die Sendung mit der Maus umschalten.

Den gesamten Artikel gibt es in seiner ganzen Herrlichkeit hier zu lesen: Die Lukaschenko-Show: Prunk und Spiele in Weißrussland – RTL.de .

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