Drum plane, wer sich ewig bindet

Falls mich jemand in den letzten Wochen vermisst haben sollte:

Ich bin nicht in einem weißrussischen Knast gelandet, sondern nach Deutschland gereist.

Eigentlich wollte ich ausführlich darüber berichten, wie die Moskauer Zugbegleiterin unser Zugabteil gewinnbringend (für ihre eigene Tasche) an Mitreisende ohne Fahrkarte weiterverkauft hatte und wir also mit Kind, Kegel und Kinderwagen ohne Abteil am Bahnhof standen, und wie wir in Berlin im ICE ebenfalls das von uns reservierte Kleinkindabteil gegen nöhlende Anzug tragende Messebesucher verteidigen mussten („Nein, Sie können nicht den Platz von dem Kind haben, denn irgendwo muss ich ihn auch wickeln. Oder hätten Sie ihn gerne währenddessen auf dem Schoß?“).

Kasimir auf dem Weg zur Hannovermesse

Kasimir auf dem Weg zur Hannovermesse

Aber dazu habe ich keine Zeit! Ich widme mich nämlich voll und ganz dem schönsten Tag meines Lebens. Oder ist es der zweitschönste, wenn man schon einnmal geheiratet hat- den gleichen Mann, versteht sich?

Wie man sich denken kann: Ich plane unsere Hochzeit. Beziehungsweise unsere kirchliche Hochzeit und Kasimirs Taufe. Für diese Sakramentenunion gibt es das schöne Wort „TRAUFE“, und ich weigere mich zu glauben, dass es etwas mit dem Sprichwort „Vom Regen in dieselbe“ zu tun hat.

Jedenfalls erlebe ich einen clash of cultures und stelle erstaunt fest, dass ich hochzeitsplanungstechnisch komplett belarussifiziert bin.

In Minsk 2007 haben wir hat mein Schwiegervater unsere Hochzeit innerhalb von zwei Wochen auf die Beine gestellt. Ich war damals jung und neu in Minsk und wollte gerne eine standesamtliche Trauung im kleinen Kreis veranstalten. Da hatte ich aber nicht mit dem Herrn Oberst gerechnet!

„Wenn mein Sohn heiratet, gibt’s ne richtige Feier (ob er will oder nicht!)! Das gehört sich so!“. Zwei Wochen vor dem Termin haben mein damaliger Verlobter und ich nachgegeben und ihm erlaubt, eine standesgemäße Hochzeit auszurichten und alle seine Freunde einzuladen. Wir selber stellten uns als Braut und Bräutigam für diesen Anlass zur Verfügung.

Wir als Brautpaar in Minsk 2007

Wir als Brautpaar in Minsk 2007

In Minsk ist es ganz leicht, spontan eine Hochzeit zu planen. Niemand denkt weiter voraus als bis zum nächsten Wochenende (und das auch frühestens ab mittwochs), so dass man nicht bis drei Monate vor dem Termin Einladungen verschicken muss. Das war gut so, denn drei Monate vor dem Termin war ich noch Studentin in Münster und kein bisschen verlobt. Strenggenommen war ich nie verlobt, denn wir haben einfach so beschlossen zu heiraten, und nach der Hochzeit fragte mich mein Schatz:

„Was ist eigentlich eine Verlobung?“- woraufhin hin ich etwas süßsäuerlich anwortete: „Das, mein Lieber, ist das Event, wo der Mann vor der Frau auf die Knie geht, ihr einen Klunker ansteckt und sie anfleht, ihn zu heiraten!“ Hmpf.

Warum es in Deutschland eigentlich gar nicht geht, eine Hochzeit spontan zu planen, würde ich an dieser Stelle gerne berichten, aber gerade ruft wieder der Weddingplanner an. Da muss ich rangehen!

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