8. März: Der Tag der Heldinnen am Herd

Erstmal: Liebe Mit-Frauen, ich wünsche euch alles Gute zum Weltfrauentag!

Eigentlich wollte ich einen langen Artikel zur Geschichte des Internationalen Frauentags schreiben. Ich wollte erklären, wie Clara Zetkin  auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz am 27. August 1910 in Kopenhagen die Einführung eines internationalen Frauentages vorschlug.

Und wie man sich dann auf einer Konferenz kommunistischer Frauen 1921 in Moskau auf Vorschlag der bulgarischen Delegation entschieden hat, den 8. März als internationalen Frauentag einzuführen, um der Rolle der Frauen in der Februarrevolution in Russland 1917 zu gedenken, die genau am 8. März stattfand.

Clara Zetkin und Rosa Luxemburg 1910

Clara Zetkin und Rosa Luxemburg 1910

Aber: Ich habe gar keine Zeit, ich bin voll im Stress!

Irgendwer hat nämlich entschieden, dass auf den 8. März, der ein roter Tag im Kalender und somit frei ist, ein langes Wochenende folgt. Das muss ein Mann gewesen sein, der sich diesen Streich erlaubt hat. Kein Wunder in einem Land, in dem zwar ein Drittel der Parlamentsabgeordneten Frauen sind, aber das Parlament nichts entscheidet. Der Präsident und sein Stellvertreter und der Premierminister und sein Stellvertreter sind  nämlich alle Männer.

Und die gönnen sich ein langes Wochenende. Zwar gibt es hier diese seltsame Brückentagsregelung, die ich nicht verstehe: Ist der Feiertag an einem Donnerstag oder Dienstag, wird der Montag oder Freitag freigemacht, aber an einem anderen Samstag oder Sonntag nachgeholt. An welchem, ist immer unterschiedlich, und ob es so ist, ist auch für staatliche und nichtstaatliche Unternehmen individuell geregelt. Mein Mann arbeitet also Sonntag,  mein Schwager hat letzte Woche schon vorgearbeitet, und mein Schwiegervater hat Sonntag frei, weil er nächsten Samstag dafür zur Arbeit geht. Alles klar?

Frauentagsfeier im Wald

Frauentagsfeier im Wald

Naja, wie dem auch sei, nicht zu leugnen ist: Überall in Belarus sitzen jetzt die Männer zu Hause. Vollkommen aus der Reihe für mindestens drei Tage, und ich sage es mit Frau Lohse, der geplagten Ehefrau von Loriots Pappa ante Portas: „Ja, bist du denn jetzt immer hier?!“

Die Männer nutzen nämlich das lange Wochenende, um mal mit ihren Freunden so richtig einen draufzumachen. Mein Schwiegervater und seine Clique sind seit heute morgen im Wald und machen bei -5°C ihre traditionelle Grillparty. Mein Mann geht morgen zur Feier des Frauentags mit seinen Homies in die Sauna (bestimmt gibt’s zur Feier der Frauen eine Stripperin), und auf jeden Fall kommen die Schwiegereltern an einem der Tage zu Besuch und zu Ehren der Schwiegermutter kocht die junge Frau ein ganz besonderes Essen und backt eine Torte.

Für die Frauen bedeutet das: Am Frauentag dürfen sie mal so richtig zeigen, was sie drauf haben! Viel Kochen und Backen. Denn wenn man zur Abwechslung seinem Mann die Zubereitung des Festmahls überlasst, gibt es Buchweizengrütze und Bratkartoffeln.

Aber kein Grund, beleidigt zu sein: Die Frauen kriegen nämlich tolle Geschenke! Ohja. Meine Schwiegermama darf sich auf Gefrierdosen aus Plastik freuen. Während ich dachte, das wäre das liebloseste Geschenk, das je eine Frau zu ihrem Ehrentag bekommen hat, wurde ich eines Besseren belehrt: Gefrierdosen waren am 7. März genau so ausverkauft wie Rasierschaum am 22. Februar.

Heldin am Herd

Heldin am Herd

Ich habe meine Männer erstmal zum Spazieren geschickt. Während ich Menüpläne zusammen stelle und mir denke, dass es doch schön wäre, an so einem langen Wochenende ganz entspannt mit ein paar Freundinnen auf eine Wellnessfarm zu fahren, werfe ich einen Blick aus dem Fenster und bin baff:

Auf dem Spielplatz, der sonst verlassen ist (es liegen noch 30 cm Schnee und die Temperaturen erreichen wie gesagt gerade mal -5°C), spielen viele Kinder. Bei ihnen sind- ihre ebenfalls der Wohnung verwiesenen Väter, die, während die Sprösslinge mit den Pobacken auf der Schaukel festfrieren, ihr Telefonregister durchgehen und alle Frauen von Anastassija bis Zoja anrufen, und ihnen zum Frauentag gratulieren:

„Mögen eure Männer euch vor allen Gefahren und Schwierigkeiten beschützen, liebe Frauen!“. Was für Helden.

4 Gedanken zu „8. März: Der Tag der Heldinnen am Herd

  1. Liebe Nadine,

    Deine Oma und Deine Mama haben anlässlich des Frauentages Deinen Artikel gelesen! Wir sind in Gedanken bei Dir und haben uns sehr amüsiert!!! Lass Dich nicht unterkriegen . . . 😉

    Oma + Mama

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